Kaum ein Thema spaltet in meinen Workshops so verlässlich die Meinungen wie Künstliche Intelligenz in der Kommunikation. Auf der einen Seite die Begeisterten: „Endlich kann ich schneller texten, Ideen generieren und Prozesse automatisieren.“ Auf der anderen Seite die Skeptischen: „Das klingt alles gleich, verliert an Authentizität und macht Kommunikator:innen überflüssig.“ Beide Seiten haben recht. Und beide liegen falsch.
In diesem Beitrag möchte ich eine ehrliche Einschätzung geben – ohne Heilsversprechen, aber auch ohne übertriebene Skepsis.
Die Chancen: Was KI in der Kommunikation wirklich kann
Effizienz und Geschwindigkeit
KI kann heute in Sekunden Textentwürfe, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Gliederungen liefern, für die ein Mensch Stunden brauchen würde. Das ist keine Bedrohung für gute Kommunikator:innen – es ist eine Entlastung von Routinearbeit, die wenig Kreativität erfordert.
Konsistenz in der Markenkommunikation
Mit einem gut definierten Markenstil und klaren Prompting-Anweisungen kann KI dabei helfen, eine konsistente Tonalität über alle Kanäle hinweg zu sichern – vom Social-Media-Post bis zur internen Mitteilung.
Skalierbarkeit ohne Qualitätsverlust
Mehr Content, mehr Sprachen, mehr Kanäle – ohne proportional mehr Personal. KI ermöglicht es, die Kommunikationsleistung zu skalieren, ohne die Qualität zu senken. Wenn man weiß, wie man KI richtig führt.
Die Risiken: Was schiefgehen kann
Generizität und Austauschbarkeit
Das größte Risiko beim unüberlegten KI-Einsatz in der Kommunikation ist nicht Qualitätsverlust – es ist Uniformität. Wenn alle dasselbe KI-Tool mit denselben Prompts nutzen, klingt am Ende alles gleich. Differenzierung ist dann kaum noch möglich.
Vertrauensverlust durch Übertreibung
KI-generierte Texte, die nicht faktengeprüft werden, können Fehler enthalten – manchmal subtile, manchmal grobe. In der Unternehmenskommunikation ist Glaubwürdigkeit das wichtigste Kapital. Wer KI ungeprüft publiziert, riskiert dieses Kapital.
Mitarbeitende, die sich abhängen
KI verändert Berufsbilder – das ist Fakt. Wer seine Teams nicht aktiv einbindet, schult und befähigt, riskiert Demotivation, Widerstände und im schlimmsten Fall den Verlust wertvoller Fachkräfte.
Die Spielregeln für guten KI-Einsatz in der Kommunikation
- KI ist Assistent, kein Autor: Die menschliche Stimme, Haltung und Verantwortung bleiben immer beim Menschen.
- Qualitätskontrolle ist Pflicht: Jeder KI-generierte Text braucht eine menschliche Endredaktion.
- Datenschutz beachten: Keine vertraulichen Unternehmensdaten in öffentliche KI-Tools eingeben.
- Teams einbeziehen: KI-Kompetenz ist eine Teamkompetenz, keine Einzelpersonen-Fähigkeit.
- Haltung zeigen: Wer klar sagt, wie und wann er KI nutzt, baut Vertrauen auf – nicht ab.
Mein Fazit
KI in der Kommunikation ist weder das Ende der kreativen Kommunikationsarbeit noch die Allheilmittel-Maschine, die manche versprechen. Es ist ein kraftvolles Werkzeug – mit klaren Stärken und ebenso klaren Grenzen. Der entscheidende Faktor ist, wie wir damit umgehen.
Meine Empfehlung: Lernen Sie das Werkzeug kennen. Experimentieren Sie. Reflektieren Sie. Und behalten Sie die Kontrolle über das, was Ihre Kommunikation einzigartig macht – Ihre Haltung, Ihre Expertise, Ihre Stimme.
„Hat das Relevanz oder kann das weg?“, sollte die entscheidende Frage sein, die Sie auf diesem Weg stets begleitet. Erzielen Sie Wirkung? Schaffen Sie relevante Mehrwerte, die wahrgenommen werden? Geben Sie Wissen und Informationen weiter? Perfekt, so soll es sein.
Über den Autor: Frank Michna ist Kommunikations- und KI-Berater mit Sitz im nördlichen Ostwestfalen in Bad Oeynhausen (OWL). Neben seiner Expertise als Berater für digitalen Wandel und den ganzheitlichen Einsatz von digitaler Kommunikation begleitet er Unternehmen, Verbände und KMU bundesweit bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz – praxisnah, verständlich und ohne Hype.