Was ist Prompt Engineering – und wozu brauche ich das?

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Frank Michna

„Ich habe ChatGPT ausprobiert, aber die Ergebnisse waren irgendwie … mäßig.“ Diesen Satz höre ich regelmäßig in kostenfreien Erstgesprächen, Kundenterminen und Workshops. Und fast immer liegt die Ursache nicht am Tool – sondern daran, wie es angesprochen wurde. Hier kommt das Prompten oder besser Prompt-Engineering ins Spiel.

Prompt Engineering klingt nach Informatik und Technik. Ist es aber eigentlich nicht. Im Kern geht es um etwas sehr Menschliches: die Kunst, klar und präzise zu kommunizieren. Oder noch besser mit den Worten eines lieben Kollegen beschrieben: „Sprechen wir über das korrekte Prompten, meinen wir eigentlich die Fähigkeit zur Problembeschreibungskompetenz – die gilt es aufzubauen und zu entwickeln.“ Der entscheidende Unterschied: Ihr Gegenüber ist dieses Mal eine KI.

Was ist ein Prompt?

Ein Prompt ist die Eingabe, die Sie einem KI-System wie ChatGPT, Claude oder Gemini geben. Alles, was Sie in das Eingabefeld schreiben, ist ein Prompt. Prompt Engineering ist die Fähigkeit, diese Eingaben so zu gestalten, dass Sie möglichst gute, relevante und brauchbare Ergebnisse erhalten. Das funktioniert natürlich auch gesprochen.

Der Unterschied zwischen einem schlechten und einem guten Prompt kann die Qualität des Outputs dramatisch verändern. Vergleichen Sie selbst: „Schreib einen Text über KI“ liefert ein anderes Ergebnis als „Schreibe einen 300-Wörter-Blogbeitrag für Geschäftsführer kleiner Unternehmen in Deutschland über die drei häufigsten Fehler beim KI-Einstieg – klar, direkt und ohne Fachbegriffe“.

Die fünf wichtigsten Elemente eines guten Prompts

1. Rolle definieren

Sagen Sie der KI, wer sie sein soll. ‚Du bist ein erfahrener Marketing-Texter für B2B-Unternehmen‘ liefert bessere Texte als kein Kontext.

2. Aufgabe klar beschreiben

Was genau soll die KI tun? Schreiben, zusammenfassen, übersetzen, analysieren, strukturieren? Je konkreter, desto besser.

3. Zielgruppe nennen

Für wen ist das Ergebnis? Entscheider, Fachpublikum, Einsteiger, Kunden? Das beeinflusst Tonalität, Komplexität und Sprache erheblich.

4. Format und Länge vorgeben

Drei Bullet Points, ein 500-Wörter-Artikel, eine E-Mail mit Betreffzeile – je klarer das Format, desto passender das Ergebnis.

5. Kontext liefern

Hintergrundinfos, bisherige Texte im eigenen Stil, Beispiele: Je mehr relevanter Kontext Sie mitgeben, desto personalisierter das Ergebnis.

Ein Beispiel aus der Praxis

Schwacher Prompt: Schreib eine LinkedIn-Post über KI.

Starker Prompt: Schreibe einen LinkedIn-Post (ca. 150 Wörter) für einen Kommunikationsberater aus OWL, der Mittelständler anspricht. Das Thema: Warum KI kein Ersatz für gute Kommunikation ist, sondern eine Ergänzung. Ton: persönlich, direkt, mit einer konkreten Frage am Ende, die zur Diskussion einlädt.

Sie sehen den Unterschied: Der starke Prompt enthält Rolle, Aufgabe, Zielgruppe, Format, Ton und Kontext. Das Ergebnis ist deutlich näher an dem, was wirklich gebraucht wird.

Wo Prompt Engineering im Unternehmensalltag hilft

Prompt Engineering lernen – so geht es

Die gute Nachricht: Prompt Engineering lässt sich lernen. Es braucht kein Informatikstudium, keine Programmierkenntnisse und keine teuren Zertifikate. Es braucht Neugier, Übung und die Bereitschaft, mit verschiedenen Formulierungen zu experimentieren.

In meinen KI-Workshops vermittle ich Prompt Engineering praxisnah – direkt am eigenen Anwendungsfall Ihrer Mitarbeitenden. Denn die besten Prompts entstehen nicht aus der Theorie, sondern aus der eigenen Arbeitswirklichkeit

Mein Fazit

Prompt-Engineering ist die Schlüsselkompetenz im Umgang mit KI-Tools. Wer gelernt hat, KI richtig anzusprechen, erzielt deutlich bessere Ergebnisse – und spart dabei erheblich Zeit. Es lohnt sich, diese Kompetenz im Team aufzubauen.

Über den Autor: Frank Michna ist Kommunikations- und KI-Berater mit Sitz im nördlichen Ostwestfalen in Bad Oeynhausen (OWL). Neben seiner Expertise als Berater für digitalen Wandel und den ganzheitlichen Einsatz von digitaler Kommunikation begleitet er Unternehmen, Verbände und KMU bundesweit bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz – praxisnah, verständlich und ohne Hype.